Das Verstehen Sie Spaß – iPad

Simon Pierro als Lockvogel bei Verstehen Sie Spaß?

20. Einsatz als Lockvogel

Für meinen zwanzigsten Einsatz als magischen Lockvogel bei “Verstehen Sie Spaß?” sollte es etwas ganz Besonderes sein, das es mit den besten Episoden der letzten Jahre aufnehmen kann.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an die Nummer mit dem Juweliergeschäft, in der ich durch das Panzerglas griff, um Schmuck zu stehlen? An die vor den Augen der Inhaber verschwundenen Autos, welche ich mittels einer neuen Technologie angeblich aus dem Parkverbot direkt in die Abschleppzentrale transferiert habe? Oder an meinen Golfkurs, bei dem ich meinen Schülern eine neue Abschlagtechnik vorstellte und mich mit gestreckten Körper bis fast auf den Boden nach vorne lehnte?

Was bot sich mehr an als meine aktuellste Leidenschaft, die iPad-Magie, für das Fernsehen neu aufzubereiten. Also nahm ich die besten Effekte aus meinen beiden Youtube-Clips “Preview on iOS 5″ und “iPad Horror” und kleidete sie in ein weihnachtliches Kostüm.

Fertig war das perfekte Weihnachtsgeschenk: das Verstehen Sie Spaß? – Tablet, welches ich Passanten im Leipziger Paunsdorf Center vorstellte.

In der iPad-Weihnachtsedition muss u.a. ein animierter Lebkuchenmann einiges über sich ergehen lassen, wenn die Grenze zwischen digitaler Welt und Realität überschritten wird.

iPad Lebkuchenmann

Autsch - armer Lebkuchenmann

Simon Pierro wird dank IPad zu Guido Cantz

Guido Cantz oder Simon Pierro?

Immer wieder überraschend, dass die absurdesten Situationen von den “Opfern” (wie wir die unbedarften Passanten gerne nennen) ernst genommen werden und mir die entsprechende Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

In der “Verstehen Sie Spaß?” – Mediathek ist der Clip unmittelbar nach Ausstrahlung online gestellt worden. Viel Spaß beim Anschauen und eine schöne Weihnachtszeit!

Lebkuchenmänner in Massenhaltung

"Nein zur Massen-Lebkuchenhaltung!"

Ein digitaler Avatar wird erstellt

P.S.: Alle Lebkuchenmänner sind ausgebildete Stuntmen und keiner wurde verletzt.

Germany’s Next Topmodel

Die Lanxess–Arena in Köln ist mit 15.000 Zuschauern gefüllt, die Stimmung ist gewaltig. Die finale Topmodelfolge wird live für ein Millionenpublikum ausgestrahlt. Und hier stehe ich nun neben der Bühne, schaue auf den kleinen Kontrollmonitor und warte auf den großen Moment. Die Mädchen (wie Heidi gerne sagt) gehen über den Laufsteg, versammeln sich in der Bühnenmitte, wo drei überdimensionale Diskokugeln über ihren Köpfen herabgelassen werden. Ich bin vermutlich nervöser, als wenn ich selbst auf der Bühne stehen würde und halte nun für dreißig unendlich lange Sekunden den Atem an.

Aber der Reihe nach:
Bereits ein knappes Jahr zuvor bat mich die Münchner Produktionsfirma Tresor TV (die unter anderem auch Popstars und Super Nanny produzieren) Ideen für magische Showeffekte einzureichen. Viele Konzepte standen im Raum – wenige Wochen vor der Sendung entschied man sich dann für den „magischen Kleiderwechsel“. Aufgabe: in einer einzigen Sekunde sollen alle drei Model-Anwärterinnen ihre Designerkostüme wechseln – und zwar nur unter der Abdeckung von Konfetti.

„Quickchange“ ist natürlich kein neues Thema für mich.
In meiner Show „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ verwandele ich dem Thema entsprechend meine Kleidung, bei „Verstehen Sie Spaß?“ tauschte ich gleich mehrfach die Anzüge und in „Unglaublich (RTL)“ sogar ein klatschnasses gegen ein anderes trockenes Outfit.

Seit jeher genieße ich bei Quickchange-Projekten die Unterstützung von Petra Bohnenberger (www.stagedress.de). Gemeinsam planen wir die die Effekte und Petra setzt diese mit unglaublichem konzeptionellen und handwerklichen Geschick um.

Bei diesem Projekt gab es aber nun einige zusätzliche Herausforderungen.

Zum einen wurden nicht die Stoffe für die Kostüme verwendet, die sich am besten eignen würden, sondern die hochwertigsten, edelsten Materialien, um dem Topmodel-Anspruch gerecht zu werden.

Erste Zeichnungen für einen der Quickchanges (created by Matthias Maus / Ella Singh)

Als erstes stellte Nora Nüssner, in Abstimmung mit Heidi Klum, sogenannte “Moods” vor (ja, die Bezeichnung kannte ich vorher auch nicht), die die stilistischen Anforderungen festlegen. Hieraus entwickelt dann der Stardesigner Matthias Maus von Ella Singh erste Zeichnungen. Gemeinsam mit seinem Team wurden dann in mehreren persönlichen Treffen die unterschiedlichen Anforderungen mit viel Geduld und Ausdauer zusammengefügt.

Während ich selbst Tage mit Proben verbringen würde, war der Terminplan der Models proppevoll und wir hatten vorab gerade mal vier Stunden in einer Lagerhalle Zeit für die ersten Tests vor der Generalprobe.

Für manch einen mag das der Traumjob sein: Heidi Klums Topmodel-Kandidatinnen kurz vor Ihrem letzten großen Auftritt ins Kostüm zu helfen. Aber der Druck, dass alles funktioniert, ist gewaltig.

Auch die Generalprobe von Lady Gaga, der ich in kleiner Runde beiwohnen darf, gerät da zur Nebensache.

Seltsamerweise wirken Amelie, Jana und Rebecca wie bereits bei den Proben auch kurz vor dem Auftritt völlig relaxt. Ich bin mir nicht sicher, ob mich das beruhigt oder verunsichert.

Backstage mit den Topmodels 2011

Es werde Licht!

Dann ist es soweit. Die nächsten Sekunden werden über Erfolg oder Misserfolg des Projekts entscheiden. Ein Knall und das Konfetti aus den Discokugeln bedeckt für den Bruchteil einer Sekunde die Kostüme.

Vorbei in wenigen Sekunden! Wochenlange Vorbereitung… Wer geblinzelt hat, der hat es verpasst.

Mit Heidi Klum nach der erfolgreichen Show


Alle Bewegungsabläufe auf den Punkt perfekt ausgeführt – das zeichnet wohl angehende Topmodels aus. Die Anspannung löst sich schlagartig, die Mission als Magic Consultant ist erfüllt.
Heidi Klum spricht mir nach der Show ihre Begeisterung aus und lädt mich ein, in einer der kommenden Staffeln wieder für Sie aktiv zu werden.

Die After-Show in der Kölner „Wolkenburg“ besuche ich nur kurz, denn am nächsten Tag geht es schon weiter Richtung Baden-Baden zu Frank Elstners SWR-Sendung „Menschen der Woche“.

Interview mit Frank Elstner

2009 berichtete der Magische Zirkel von Deutschland in der Fachzeitschrift MAGIE über meine langjährige TV-Arbeit, insbesondere bei “Verstehen Sie Spaß?”. In diesem Zusammenhang entstand auch das Doppel-Interview mit meinem TV-Entdecker Frank Elstner.

Titelseite MAGIE 2009

Fachzeitschrift des Magischen Zirkels von Deutschland


MAGIE: Herr Elstner, in einem früheren Interview erzählte uns Simon Pierro, dass Sie sich in Ihrer Sendung “Menschen der Woche” kennen gelernt haben. Unmittelbar danach sagten Sie zu ihm: “Ich hole Sie zu “Verstehen Sie Spaß?”". Ein halbes Jahr später war es dann soweit. Hört sich fast so an, wie die Story von Simons Darbietung “Vom Tellerwäscher zum Millionär”… – Ist Ihr Vorschlag beim Sender zunächst auf Skepsis oder Zuspruch gestoßen?
Frank Elstner: Anfänglich natürlich auf Skepsis, auch bei mir, aber der Erfolg hat uns alle überzeugt.
Simon Pierro: Die Skepsis ist ja auch verständlich. Es gab kaum ein erfolgreiches wiederkehrendes Magie-Format in den letzten Jahren in Deutschland. Damit das Potential der Kombination aus Magie und versteckter Kamera deutlich wird, habe ich mit Freunden im Supermarkt, in der Bankfiliale und im Park kleine Filme gedreht. Niemand in meiner Umgebung konnte sich mehr sicher fühlen! Dass diese Vorschläge dann auch zum Erfolg führten verdanke ich einzig und allein dem Vertrauen von Frank Elstner.

MAGIE: Simon Pierro hatte damals bereits fast alle großen Auszeichnungen der Zaubergilde erhalten. Im TV war er – abgesehen von Auftritten im “Tigerentenclub” und einigen Regionalsendern – ein unbeschriebenes Blatt. Was gab Ihnen denn das Vertrauen, diesen jungen Mann in die Primetime zu setzen?
Frank Elstner: Simon hat eine unglaubliche sympathische Ausstrahlung. Er kann gut moderieren und könnte auch ohne Zaubertricks Karriere machen.
Simon Pierro: Oder ohne Karriere Zaubertricks!
Frank Elstner: Wenn man so lange im Unterhaltungsfernsehen arbeitet wie ich, dann hat man fast alle großen Zauberer kennen gelernt. Ob Copperfield, Siegfried & Roy oder Hans Klok. Und ich habe diese großen Könner immer bewundert und glücklicherweise hat Simon eine so großartige Ausstrahlung, dass er ruhig nach den “Zaubersternen” greifen darf.

MAGIE: Simon, wie wichtig war es Dir, im TV Karriere zu machen? Und welche Rolle wird hierbei zukünftig die Magie spielen?
Simon Pierro: Vor exakt zehn Jahren durchquerte ich mit einem Klassenkameraden nach dem Abitur die Vereinigten Staaten. Immer wenn etwas schief ging sagten wir: “In zehn Jahren lachen wir darüber!” Wir haben viel gelacht diesen Sommer! So tauchte damals auch die Frage auf, wo wir uns in zehn Jahren sehen. Ich sagte mit einiger Naivität: “Ich werde Zauberkünstler sein und Millionen Menschen werden im Fernsehen meine Zaubertricks anschauen.” Dass ich das aber damals formuliert habe, gibt mir heute das Gefühl, dass ich ein persönlich gesetztes Ziel erreicht habe. Wenn mir die Arbeit im Fernsehen keinen Spaß mehr macht und somit meine Kreativität darunter leidet, dann konzentriere ich mich wieder auf andere Aufgaben. Derzeit ist aber kein Abbruch in Sicht.

MAGIE: Dann scheint es Dir in diesem Jahr besonders viel Spaß gemacht zu haben. Du warst neben “Verstehen Sie Spaß?” bei “Galileo Mystery” zum Thema Psychokinese zu Gast und in der RTL-Sendung “Unglaublich” mehrfach vertreten.
Simon Pierro: Nach vier Jahren Dauerpräsenz bei “Verstehen Sie Spaß?” scheint es sich mittlerweile bei den TV-Sendern herumgesprochen zu haben, dass es bei der Pierro Company die “kleinen Wunder” zu bestellen gibt. Alleine in diesem Jahr bin ich auf Anfrage durch Stahl geschmolzen, habe durch Panzerglas gegriffen und bin übers Wasser gelaufen. Mit jedem erfolgreich umgesetzten Projekt wächst das Vertrauen in mich und mein Team.

MAGIE: Lässt sich Zauberkunst überhaupt ohne Weiteres ins Fernsehen transponieren – oder muss für dieses Medium ganz anders dargestellt werden?
Frank Elstner: Zaubern im Fernsehen wird immer ein Problem sein, da der Zuschauer oft vermutet, dass elektronisch manipuliert wird. Deswegen wird der Zauberer immer in erster Linie vor großem Publikum und nicht im Fernsehen seine größten Erfolge haben.
Simon Pierro: Das große Live-Publikum wird aber erst zum Ticketschalter laufen, wenn die Fernsehpräsenz vorhanden ist. TV kann für einen Magier also der Wegbereiter für die große Bühne sein. Bei “Verstehen Sie Spaß?” helfen uns natürlich die Reaktionen der Zuschauer sehr, um glaubhaft zu vermitteln, dass hier nur “mit fairen Mitteln” getrickst wird.

Simon Pierro und Frank Elstner

Frank Elstner und Simon Pierro (2005)

MAGIE: Herr Elstner, Sie haben bereits live mit Simon im Studio gezaubert. Dürfen wir Sie bald wieder als Illusionisten erleben?
Frank Elstner: Leider habe ich für diese Form der Unterhaltung zu wenig eigenes Potenzial. Ich beherrsche selbst ein paar kleine Tricks – aber leider nur auf Stammtischniveau.
Simon Pierro: Da ist er jetzt zu bescheiden. Immerhin ließ er mich in der ersten Sendung im Vorhangkabinett erscheinen und zauberte danach ein Sektglas unter seinem Jackett her. Und es war noch halb voll! Sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt bei den Proben. Woher kommt eigentlich Ihre Begeisterung für die Magie?
Frank Elstner: Die Faszination für die Magie muss mit Kindern zu tun haben. Als Kind habe ich sehr über Zauberer gestaunt, als Vater habe ich meinen Kindern alle möglichen Kunststücke vorgeführt und vor allem habe ich immer alle Zauberer bewundert, die fingerfertiger waren als ich; so wie Simon, der mich immer wieder durch seine Manipulationen verblüfft. Simon, wie oft und wie lange trainieren Sie an Ihrer Fingerfertigkeit?
Simon Pierro: Nun ja, so lange, bis ich mich mit meinen Kunststücken sicher fühle – das kann schon etwas Durchhaltevermögen erfordern.
Frank Elstner: Und haben Sie auch einen Trick, um zu verbergen, wenn Ihnen mal ein Trick daneben gegangen ist?
Simon Pierro: Klar, ich bitte den Regisseur, einen Schnitt zu setzen…. Ich weiß, Sie meinen die Live-Situation. Man hat natürlich so seine Auswege vorbereitet, aber manchmal treffen einen die unglaublichsten Ausfälle, da kann man sich nur auf seine Spontaneität verlassen – oder man sollte zumindest Lächeln. Das Publikum weiß ja nicht, wohin “die Reise” gehen sollte…

MAGIE: Bei “Verstehen Sie Spaß?” hat ja offensichtlich alles geklappt bisher. Haben Sie einen Lieblings-Zauberstreich, den Simon für “Verstehen Sie Spaß?” gedreht hat?
Frank Elstner: Simon als Juwelendieb hat mich sehr verblüfft.
Simon Pierro: Ja, das ist auch mein Lieblingsclip. Es war tricktechnisch die größte Herausforderung und gemeinsam mit meinem “Düsentrieb des Fernsehens” Oliver Hiefinger haben wir mehrere Techniken kombiniert, um sowohl durch die Scheibe greifen als auch durchmarschieren zu können. Auch die Reaktionen der Passanten waren grandios.

MAGIE: Was ist Ihr Rat an Zauberkünstler, die den Weg ins Fernsehen noch vor sich haben?
Frank Elstner: Am besten Simon Pierro fragen, denn der hat jetzt die entsprechende Erfahrung.
MAGIE: Vielen Dank, Herr Elstner, für Ihre Zeit.

Mit freundlicher Genehmigung des MZvD und der Werner Kimmig GmbH